Wenn Sie aus der Balance geraten sind...  
 


"Die Dinge sind nie so wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht."
Jean Anouilh
 
  
 
 
 
 

 
 
Familientherapeutische Techniken und Ideen


1. Die systemischen Fragen

Die besondere Fragetechnik ist ein Kennzeichen von Familientherapie: Fragetypen sind z.B. zirkuläre Fragen, Skalierungsfragen, Wunderfragen, Fragen nach Ausnahmen, zum Therapierahmen, zur Therapiemotivation zur Möglichkeitskonstruktion, hypothetische Fragen, Fragen nach Alternativen im Verhalten, nach Vergleichen, nach problematischen Verhaltensweisen und deren Ausnahmen, zum Raum und zum zeitlichen Kontext des Problems, lösungsorientierte Fragen.

Besonders die zirkulären Fragen, die im Mailänder Ansatz entwickelt wurden, sind zum Kennzeichen systemischer Therapie geworden. Einige beispielhafte Fragestellungen sollen den Praxisrahmen genauer beschreiben: Zirkuläre Frage sind z. B: " Was glauben sie, denkt, fühlt etc. ihre Tochter, wenn sie mit ihrem Mann streiten?" Oder: "Was tut ihr Mann, wenn ihr Sohn das tut, was sie depressiv nennen und wie wird ihr Sohn dann darauf reagieren" etc. Zirkuläre Fragen dienen wie alle systemischen Fragen dazu, Informationen für die Familie und den Therapeuten zu gewinnen. Sie wollen zeigen wie unterschiedlich bestimmte Lebens- und Erlebenssituationen in der Familie erfahren werden. Sie sollen Unterschiede schaffen, die einen Unterschied machen, um in der Familie gewohnte Sichtweisen und Verstehensweisen zu "verstören".

2. Die Landkarte

Ist ein Instrument zur Prozessdiagnostik und zur Hypothesenbildung. Sie kann eine Hilfe sein Hypothesen und Interventionsideen zu entwickeln. Die Landkarte bildet das Beziehungsgeflecht und die Grenzen zwischen den jeweiligen Subsystemen der Familie ab, wie sie der Therapeut zum gegenwärtigen Zeitpunkt sieht.

3. Das Genogramm

Mit seiner Hilfe lassen sich die komplexen und für Außenstehende verwirrenden Informationen über das Familien- und Herkunftsfamiliensystem übersichtlich und klar darstellen. Es bietet die Möglichkeit für die Familie bzw. das Klientensystem sich seiner Herkunftsgeschichten klarer zu werden und kann zur Identitätsfindung beitragen. Ferner lassen sich die Familiengeschichten/ und Traditionen, Regeln und Muster leichter nachvollziehen und damit die Lebensgeschichten besser verstehen. Auf diesem Hintergrund sind Veränderungen möglich, weil im Genogramm immer auch die Ressourcen der Herkunftsfamilie sichtbar und durch die Geschichten besprechbar werden.

4. Die wertschätzende Konnotation

Die wertschätzende Konnotation hat ihren Platz in den unterschiedlichsten Phasen eines Beratungs- /oder Therapieprozesses. Sie ist weniger eine therapeutische Technik als vielmehr eine systemisch therapeutische Haltung. Sie will den Ressourcen und Verhaltensweisen der Familie sowie dem Symptom wertschätzend begegnen.

5. Das Reframing

Die Umdeutung ist einer der zentralen systemischen Ideen überhaupt. Beim Reframing wird dem Geschehenen oder Erlebten ein anderer Sinn gegeben, indem es in einen anderen Kontext gestellt wird. Durch die Umdeutung wird ein Verhalten oder Symptom, in seiner positiven Bedeutung für die Klienten beschrieben und so eine neue Sichtweise eingeführt. Klassisch im FT/FB Kontexten ist die Umdeutung des Symptomträgers: er gilt als derjenige, der Probleme, der Schwierigkeiten macht etc. Ein Reframing zu Beginn einer Beratung ist, wenn der Symptomträger beschrieben wird als jemand der anzeigt, daß die Familie sich in einem Veränderungsprozess befindet. Er wird als eine Art Warnsignal, oder als Wahrheitsträger im Familiensystem verstanden.

Dem Reframing liegen einige systemische Prämissen zugrunde:

  • "Jedes Verhalten macht Sinn, wenn man den Kontext kennt."
  • "Es gibt keine vom Kontext losgelösten Eigenschaften einer Person."
  • "Jedes Verhalten hat eine sinnvolle Bedeutung für die Kohärenz des Gesamtsystems"
  • "Es gibt nur Fähigkeiten. Probleme ergeben sich manchmal daraus, daß Kontext und Fähigkeiten nicht optimal zueinander passen."
  • "Jeder scheinbare Nachteil in einem Teil des Systems zeigt sich an anderer Stelle als möglicher Vorteil." (Schlippe/Schweitzer 1996 S.179).

6. Familienskulptur

Sie ist eine der erlebnisintensivsten Methoden der Familientherapie. Dabei wird versucht, die Situation in einer Familie durch eine Art "Denkmal" darzustellen. Beim Stellen einer Skulptur kann auf unterschiedliche Modalitäten geachtet werden:

  • durch den räumlichen Abstand wird dargestellt, wie nah bzw. wie distanziert sich die Familienmitglieder fühlen.
  • durch die Größe, jenseits der physiologischen Größe, kann dargestellt werden, wer sich in der Familie oben bzw. unten fühlt, wer wieviel Macht, viel oder wenig Einfluss hat.
  • durch Mimik, Gestik, Handbewegung, Kopfbewegung etc., kann differenzierter dargestellt werden, wie sich die einzelnen Familienmitglieder zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt in der Familie fühlen.

Die Skulptur bietet eine Möglichkeit die Komplexität des Familiensystems, die Gefühle und Gedanken in einer Familie wie durch ein Brennglas komprimiert darzustellen.

7. Geschichten, Metaphern, Witze

Das Erzählen von Geschichten und Metaphern ermöglicht es von der direkten, oft vielleicht schwierigen ernsten Situation, sich ein wenig zu entfernen und wie aus der Distanz heraus eine Sichtweise für die eigene Situation und die Familiensituation zu gewinnen. Geschichten und Metaphern ermöglichen es den Klientenfamilien, eine neue Sichtweise einzunehmen oder einmal über ganz andere Lösungen nachzudenken.

8. Das Reflecting Team

Beim Reflecting Team gibt es 2 Subgruppen: zum einen das therapeutische System, bestehend aus der Familie und dem Therapeuten, daneben das beobachtende System, das Reflecting Team. Es besteht aus zwei bis vier Teammitglieder, die entweder hinter einer Einwegscheibe in einem anderen Raum sitzen, oder im gleichen Raum etwas distanziert vom Therapiesystem. In vorher festgelegten Abständen wird die Therapiesitzung unterbrochen, um dem Dialog des Teams zuzuhören. Dabei gilt, das der Dialog des Teams in einer wertschätzenden Art und Weise geführt wird.

9. Schlußintervention

Die Abschlussintervention gehört zu einem der Erkennungsmerkmale der Familientherapie. In der Geschichte der Familientherapie stand die eigentliche "Verschreibung" wie z.B. die paradoxe Intervention im Vordergrund der Abschlussintervention. In den letzten Jahren rückte der "Kommentar" mehr in den Mittelpunkt. Die eigentliche Empfehlung in der Abschlußintervention wird als eine Idee für das praktische Tun vermittelt.

Der Kommentar dient besonders der positiven Wertschätzung der Familie. Er hat Anteile von Bestätigung und Anerkennung für das Klientensystem, wenn möglich mit einem Reframing. Er kann durch eine Geschichte oder Metaphern abgerundet werden. Die Intervention zielt weniger auf direkte Verhaltensänderung. Es können z.B. Beobachtungsaufgaben enthalten sein. Wichtig ist bei der Abschlußintervention und beim Abschlußkommentar, daß sie an das Therapiegeschehen ankoppeln. Dazu ist notwendig, daß nur das aufgegriffen wird, worüber in der Sitzung auch gesprochen wurde. Wenn möglich sollen Formulierungen und Ideen der Klienten aufgegriffen werden. Bekanntes und Neues wird miteinander verknüpft knapp und in der Sprache deutlich gehalten.


Autor: Reinert Hanswille                                                         Letzte Änderung: 02. April 2012
Leitung ifs
Institut für Familientherapie, Systemische Supervision und Organisationsentwicklung

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